OSTHEESEN NEWS 18. 10.2017   —-     NEUHOF“Bitte vergesst uns nicht!“          Zum Artikel :  https://osthessen-news.de/n11572635/gewerbetreibende-verzweifelt-zollweg-baustelle-bringt-viele-ans-limit.html#

Gewerbetreibende verzweifelt: Zollweg-Baustelle bringt viele ans Limit

 

18.10.17 – Es ist ein Ausdruck von Verzweiflung: Zehn Menschen mit ernsten Gesichtern stehen vor einer großen Baustelle. Sie halten ein Banner mit der Aufschrift „Die Lage ist ernst. Bitte vergesst uns nicht!“ in den Händen. Seit April macht die Sperrung des Zollwegs, der Hauptverkehrsader von Neuhof, den anliegenden Gewerbetreibenden zu schaffen. Sie alle haben mit Umsatzeinbußen zu kämpfen, einige plagen seit Monaten Existenzängste. Nun machen die Gewerbetreibenden auf ihre Lage aufmerksam und hoffen, dass die Bürger trotz der schwierigen Lage, den Weg zu ihnen in Kauf nehmen.

 

„Die Baustelle wird sich noch hinziehen“, sagt Bürgermeister Heiko Stolz bedauernd auf Nachfrage von OSTHESSEN|NEWS. Dass während der Bauarbeiten alte Teile der historischen Via Regia gefunden wurden, habe den Verantwortlichen einen Strich durch die Planung gemacht. Derzeit würden die letzten Kanalarbeiten zur Erneuerung der Wasserleitung durchgeführt. „Dann könnten wir mit dem Straßenbau beginnen. Aber um diese Jahreszeit baut keine Firma mehr eine Straße.“ Deshalb würden ab Ende November die Bauarbeiten bis voraussichtlich März 2018 ruhen. „Insgesamt wird sich die Vollsperrung um ein halbes Jahr verlängern“, so der Bürgermeister, der mit einer Wiedereröffnung Ende Juni/Anfang Juli 2018 rechnet.

 

Während des Winters werde die Gemeinde den Zollweg offen gestalten. „Die Bauzäune werden abgebaut, damit wir die Baustellenatmosphäre wegbekommen. Die Straße wird geschottert und begehbar, bleibt aber nach wie vor für den Straßenverkehr gesperrt.“ Den Frust der Anlieger kann der Bürgermeister gut nachvollziehen: „Umsatzeinbußen aufgrund von fehlender Frequenz löst keine Zufriedenheit aus. Deshalb versuchen wir das gemeinsam durchzustehen und den Gewerbetreibenden zur Seite zu stehen“, sagt Stolz. Bei einer Anliegerinfo habe die Gemeinde versucht, die Ängste und Bedürfnisse der Betroffenen einzuholen. Banner, welche die Gemeinde an Kreuzungen aufhängt, sollen auf die Händler aufmerksam machen. „Wir wollen alle möglichst weitgehend unterstützen und mit ihnen ein Konzept  erarbeiten. Durch gezielte Aktionen wollen wir die Zeit rumkriegen. Da müssen wir nochmal ran.“

„Bitte vergesst uns nicht!“

„Durch die Sperrung werden wir einfach nicht mehr wahrgenommen. Es fehlt schlicht der Blickkontakt“, sagt Klaus Lippert, Inhaber vom Fotostudio Lippert und stellvertretender Vorsitzender des Gewerbevereins Neuhof. Seit einigen Tagen klafft auch vor seinem Geschäft ein riesiges Loch, denn bis Mitte November wird zusätzlich die Kreuzung Frankfurter Straße/Zollweg/Marktstraße vollgesperrt. Das belastet auch den Gasthof Ebert in der Marktstraße: „Der Durchgangsverkehr ist gleich Null. Überall stehen Schilder, dass die Ortsmitte gesperrt ist. Ist doch klar, dass die Leute die Stelle dann weiträumig umfahren“, sagt Inhaber Karlheinz Ebert. Der Gastronom ist vor allem seinen Stammgästen dankbar, die ihm trotz der Bedingungen die Treue halten: „Einige Gäste hole ich sogar mit dem Auto ab, wenn sie weiter weg parken mussten. Oder es gibt einen Baustellenschnaps aufs Haus.“

Doch trotz Stammkunden haben die Betroffenen schwer zu kämpfen: „Es ist einfach tote Hose“, bringt es Karlheinz Ebert auf den Punkt. Aus diesem Grund hat sich der Gewerbeverein eine Aktion überlegt. Mit dem aussagekräftigen Foto appellieren die Betroffenen an die Neuhofer Bürger. Aktionen und Angebote sollen die Kunden zurückholen und halten. Während Ebert aktuell Flyer mit Wegbeschreibungen drucken lässt, plant Lippert eine Weihnachtaktion. Im Internet ist unter anderem Sams Diner sehr aktiv. Dem kleinen Restaurant fehlen jeden Monat über 70 Prozent der Gäste. Die Betreiber können sich wie viele andere Händler und Gastronomiebetriebe nur knapp über Wasser halten. Und das obwohl der Imbiss – genauso der Gasthof Ebert – ganz einfach über den Parkplatz des Gemeindezentrums, die Querverbindung zur Jahnstraße und von dort über den Zollweg in den Fliedeweg zu erreichen ist. Um es den hungrigen Gästen so leicht wie möglich zu machen, bietet das Diner ab sofort einen Lieferservice an. „Oder ihr macht es im Indianer Jones-Style, schlagt Euch heldenhaft durch den Baustellendschungel und genießt den Burger in unserem sonnigen Biergarten. Feeling free“, schreibt Betreiberin Sonja Herren auf der Facebook-Seite.

Jetzt bleibt zu hoffen, dass die Bürger das Abenteuer „Zollweg“ auf sich nehmen und alle Gewerbetreibende die Zeit gut überstehen. „Wir halten zusammen. Es bringt nichts, wenn wir Aufstände planen. Wir müssen das jetzt gemeinsam durchstehen“, sagt Ebert, der sich mehr Unterstützung von der Gemeinde wünscht.

(Julissa Bär) +++ Osthessen News

 

 

Die Lage ist ernst. Bitte vergesst uns nicht !

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